20.07.2026

Sugo di Saòr - die venezianische Art, zu konservieren

Gebratenen Fisch in "Essig und Öl" einzulegen, um ihn haltbarer zu machen - das kennen wir in Norddeutschland auch. Man kennt es als "escabeche" in Spanien. 

Aber "episch" wird das Verfahren erst in Venedig - dort legten arme Leute Sardinen und die Vornehmeren Seezungen in aromatisierte Zwiebel-Essig-Soße ein. 




Am 3. Julisonnabend gibt es zu diesem Gericht am Canale della Giudecca alljährlich ein großes Bahö. Oder umgekehrt. Man feiert dort mit zu einer Brücke aneinandergehängten Booten den Sieg über die Pest 1577. Konzerte, Prozessionen, Feuerwerk - das volle Programm! Venedig eben.




Die Boote formieren sich ...

Mit solchem Beiwerk konnte Liesbeth, wenn sie die Reste vom grünen Hering für das nächste Abendbrot einlegte, natürlich nicht mithalten...

Sievers (2018) zitiert ein Rezept aus dem Libro per Cuoco eines anonymen venezianischen Kochs aus dem 13. Jahrhundert:

"Frittiere Fische. Dann nehme man Zwiebeln und koche die ein wenig, danach diese in Scheiben schneiden und frittieren. Nimm Essig, Wasser, geschälte Mandeln im Ganzen, Rosinen, etwas Honig und scharfe Gewürze und koche alles zusammen. Gieße die fertige Soße über die frittierten Fische."

Das Gericht ist also älter als die Fete! Die "scharfen Gewürze" seien, so Sievers, Nelke, Ingwer oder Galgant, Zimt, Lorbeer - aber auf keinen Fall Safran! Pinienkerne seien eine Beigabe aus dem von Venedig 1204 eroberten Byzanz. Hatten wir in Oldenburg auch nicht!

7 Jahrhunderte später wird Sarde in saòr in venezianischen Bàcaris als Cicchetto serviert. 

Es werden - Davies (2022) zufolge - aber auch Garnelen, Hähnchenfleisch, Kalbsleber, gegrillte Aubergine oder Kürbis und Bittergemüse wie Radicchio in dieser Soße eingelegt.



Zutaten 

  • 30g Pinienkerne oder geschälte Mandeln
  • kleine Zwiebeln - sollen geschält ca 500g ergeben
  • 0,2l Weißweinessig
  • 0.3l Verjus oder ersatzweise: Weißwein, dann durchaus aromatisch wie Muskateller...
  • 1 kleines Lorbeerblatt
  • 1 cm Galgant, gehackt
  • 3 TL Honig
  • 30g Berberitzen (Original: Rosinen, mag ich aber nicht!)


Zubereitung

1) Zwiebeln halbieren und in dünne Scheiben schneiden

2) Pinienkerne ohne Öl in einer unbeschichteten Panne leicht anrösten

3) Zwiebeln in Fett goldgelb werden lassen, etwas Salz, Weißweinessig und Verjus (Wein) zugeben

4) Berberitzen, Lorbeerblättchen, Galgant und Pinienkerne zugeben, gemeinsam erwärmen, ca 2 Minuten auf kleiner Platte köcheln lassen - dann vom Herd nehmen und idealiter 24 Stunden ziehen lassen.

5) Am Folgetag: Ausgenommene und filetierte Sardinen salzen und pfeffern, zuerst in Mehl panieren und dann durch gerührtes Ei ziehen. In auf 180 Grad erhitztem Sonnenblumenöl frittieren. Auf Küchenpapier abtropfen lassen




Filetieren - Frittieren

6) Eine Lage Saòr auf einen Teller geben, Sardinen darüber geben, dann weitere Schicht Saòr - nonochmals abkühlen und (mehrere Tage) ziehen lassen - oder im Notfall gleich essen 😉


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Sievers, Gerd Wolgang (2018) La cucina venezia Band 1. Wien: Braumüller. S. 61-69
Davier, Eimko (2022), Bàcari e cicchetti. München: Christian Verlag



18.07.2026

Kartoffelpuffer

Kartoffelpuffer! Weißte bescheid! Außen knusprig, innen püreehaft. Geht immer.





Der Friese, der kombiniert diese an sich "salzige" Speise gern mit etwas Süßem - klassisch: Apfelmus. Andere essen auch Zuckerrübensirup dazu. Da ist sie dann wieder: die broken Sööt, die "gebrochene Süße" der Norddeutschen Küche. Muss aber nicht sein! 

Kartoffelpuffer mag ich am liebsten mit Salzigem - hier ein paar Vorschläge: Matjes, Räucherfisch, Remouladensoße.

Aber erst einmal: der Kartoffelpuffer! 

Wie bei allem mit Kartoffeln die Grundfrage: festkochend? Vorwiegend festkochend? Mehlig? Und wie immer bei dieser Frage: "Es kommt drauf an" ... Bei festen Kartoffeln wird das Ergebnis crispiger, man wird wohl etwas Stärke dazugeben müssen, damit sie zusammenhalten. Mehlige, also stärkehaltigere, Kartoffeln erzielen ein Produkt, das innen noch etwas cremig ist. Man sollte sie nicht zu sehr "auspressen". Klingt unlogisch, ist aber so!


Zutaten   

  • Da in Österreichs Supermärkten mehlige Kartoffeln schwerer erhältlich sind als (vorwiegend) festkochende - nehmen wir die! Sie liefern eine knusprigere Struktur. Gerade benutzte ich "Heurige". Die sind besonders stärkearm und brauchen jedenfalls ein Ticken zusätzlicher Stärke nach dem Auspressen ... davon nehme ich geschält (!) 500g
  • 1 Eigelb
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 TL Kartoffel-Stärke
  • Salz, Pfeffer


Zubereitung

1) Geschälte Kartoffeln längs (gewünscht sind längliche Streifen, die bieten mehr Fläche zum Rösten!) raspeln

2) In einem Handtuch auspressen, aber nicht übertreiben!, weil neben dem Wasser auch die Stärke austritt, die wir brauchen, damit der Puffer beim Braten zusammenhält

3) Die ganz Coolen fangen die ausgepresste Flüssigkeit auf und machen daraus wieder Stärke. Aber man kann es auch übertreiben. (Wir machen das allerdings bei Klößen!)


Kartoffeln reiben und im Weimarer Kartoffelsäckchen auswringen. Unten re.: Wasser und Stärke



4) Ausgedrückte Kartoffelspäne in eine Schüssel geben. Eine kleine Zwiebel auch mit der Reibe (kleinste Matschgröße) hineinhexeln



Im Sack vorm Auswringen (links) - Ausgewrungen und Zwiebel bei! (rechts)


5) Eigelb dazugeben, salzen, pfeffern. 1 TL Stärke ist - wie gesagt - to be on the safe side, aber nicht zwingend notwendig.
An sich (!) Muskat bis zum Abwinken! Als Grund- oder Beilage für Fisch lassen wir den aber weg - passt nicht!

6) Portionierte Masse in einer beschichteten Pfanne in Sonnenblumenöl anbraten, runde Teig-Taler von ca 6 cm mit Gabeln rund formen! Ein paar heraustretende Kartoffeldrähte sind gewollt. Das Ganze kann ruhig etwas strubbelig aussehen. Beim Anbraten immer mal etwas anschütteln, Deckel drauf, Hitze reduzieren

7) Wenn die Bratseite schön "röstig" angebräunt ist, umdrehen. Hitze noch mal aufdrehen, wenden und andere Seite - ohne Deckel - noch mal bei dann wieder reduzierter Hitze ausbraten

8) Auf Küchenpapier entfetten. Fertig!



Crosby, Guy (2016). Perfektion - Die Wissenschaft des guten Kochens Band 2: Gemüse. Stiftung Warentest, S. 68-77. 

Wehmann, Heinz O.(2010). Kochen Sie norddeutsch? Hamburg: Axel Springer Abendblatt Edition