21.07.2019

Obazda und Liptauer

Obazda ist eigentlich eine Resteverwertung für vielleicht schon etwas überreifen Weichkäse (Camembert oder Brie). Die Münchnerin bereitet ihn zuhause zu und nimmt ihn mit einem reschen Graubrot mit in den Biergarten. 

Das Wiener bzw. slowakische Pendant dazu ist Liptauer. Den gibt es beim Heurigen, und man muss ihn dort kaufen, darf ihn nicht – wie in München – mitbringen. Dort ist er dann leider meist aus Ouark und gar Margarine hergestellt, alles falsch! Wie nehmen Brimsen. Brimsen ist ein ursprünglich aus den Karparten stammender Frischkäse aus Schafmilch, der von Mai bis Oktober produziert und geliefert wird. 

Obazda (hinten) & Liptauer (vorne) - Paprika macht die Farbe...

Zutaten Obazda

  • 180 g Camembert 
  • 50 g zimmerwarme Butter
  • 1 Zwiebel (40 g gedünstet)
  • 10g Paprika, 1 gestr. TL (ca 3 g) Kümmel, Salz
  • Schnittlauch, zu Röllchen zerschnitten
  • 1 gestr. TL (ca 3 g) Kümmel, Salz
  • 4 cl Weizenbier


Zubereitung

1) Wir würfeln eine Zwiebel fein und schwitzen sie kurz in Butter an  (mit geschlossenem Deckel), damit sie nicht so penetrant durchschmeckt.

2) Zimmerwarme Butter und zimmerwarmen Camembert mit einer Gabel in einer Schüssel vermantschen. 

3) Um die Masse leichter verarbeiten zu können, geben wir etwas Weißbier hinein.

4) Abgekühlte Zwiebeln, Paprikapulver und etwas Kümmel dazu.

5) Laut der Verordnung im EU-Qualitätsregister, in das der Obazda seit 2015 eingetragen ist, gehört auch noch „Salz“ zu den verpflichtenden Zutaten. Davon nehmen wir aber nur einen Hauch, weil der Käse ohnedies salzig genug sein dürfte. 6) Freude machen noch Schnittlauchröllchen, die man drüber streut.

Zutaten Liptauer

  • 160 g Brimsen (halb)
  • 100 g zimmerwarme Butter (halb)
  • 1 Zwiebel (gerieben?) oder in Würfelchen geschnitten und angedünstet
  • 10g Rosenpaprika, 1 gestr. ETL Kümmel, Pfeffer
  • 2 Gewürzgurken, gewürfelt
  • Viertel Rote Paprika, gewürfelt
  • 10 Kapern, zerhackt
Nahezu gleiche Zutaten - je mehr Butter, desto fetter!

Zubereitung Liptauer

1) Wir lassen den Brimsen, der meist in einer Lake abgepackt erhältlich ist, in einem Sieb abtropfen (ca 15 Minuten)

2) Dann vermengen wir ihn mit Butter, Rosenpaprika, Pfeffer und Kümmel. Einige Rezepte sprechen von „geriebenen Zwiebeln“, wir nehmen aus Bekömmlichkeitsgründen wieder zuvor leicht angedünstete  Zwiebelwürfelchen.

3) Je nach Gusto kann man noch eine Gewürzgurke würfeln und Paprikawürfel einarbeiten, ebenso auch ein Paar Kapern.

4) Beide Aufstriche schmecken am besten mit Wachauer-Laibchen, da die auch Kümmel enthalten und perfekt harmonieren.


20.07.2019

Pasta al Nero

Von Kaiser Nero wird berichtet, dass er einmal darauf bestanden habe, dass ihm ein Fischgericht ausschließlich aus Wangen von Fischen zubereitet werde. Das war eines seiner zahllosen verrückten Ideen, um in der Gegnerschaft Kopfschütteln zu erzeugen und Verschwendung zum Genussprinzip zu machen. 

Seitdem meinen viele Besserwisser, dass Forellenwangen eine besondere "Delikatesse" seien. Einfach kosten und feststellen, dass dem nicht so ist! Resultat von Fake News einer 2000 Jahre alten Selbstdarstellungs-Geschichte.

Pasta al Nero allerdings hat freilich gar nichts mit dem exzentrischen Kaiser zu tun, dem wir in Monteverdis Krönung der Poppea  hier in der Version der Salzburger Festspiele mit der wunderbaren Kate Lindsey so gerne zuhören, nachdem er alle abratenden Moralisten gemeuchelt hat, um mit seiner Liebsten zusammen sein zu dürfen.  

In unserem Rezept ist die Nudel einfach durch beigefügte Tintenfischtinte durch und durch schwarz (ital. "nero") - und so isst man sie gern, besonders in Sizilien.













Geht auch gut mit Resten vom Oktopus-Rezept...


Zutaten

  • 400 g Nudelteig
  • 1 Säckchen Tintenfischtinte (4g) für den Teig, eines (4g) für die Sauce
  • 1 Päckchen tiefgekühlte Sepia oder Kalmare (400g)
  • 500g frische Muscheln
  • 2 Zwiebeln, 4 Zehen Knoblauch, 2 Lorbeerblätter, 10 cm Bleichsellerie
  • 150 ml trockener Weißwein
  • 2 große Tomaten; eine Paar Cocktailtomaten zur Deko
  • gehackte Petersilie
  • 150 ml trockener Weißwein
  • wenn vorhanden: Fisch-Fond
  • ein EL Crème fraîche

Zubereitung

1) Wir nehmen unseren klassischen Nudelteig und mischen ihn von Anfang an mit 1 Säckchen (4 g) Tintenfischtinte. Die Tinte lässt sich schwer herausdrücken, daher zerschneide ich das Säckchen über einem Schüsselchen mit 2 EL warmem Wasser, in das man den Inhalt zuerst ausdrücken und dann die Innenseite des Säckchen "auswaschen" kann. So geht nichts von der kostbaren Flüssigkeit verloren. Die Flüssigkeit dann zum Teig dazugeben.
Alles andere wie im bekannten Rezept. Nochmal 5 Minuten mit der Hand durchkneten und in Klarsichtfolie im Kühlschrank gut 1 Stunde ruhen lassen. Danach wieder auf Zimmertemperatur aufwärmen lassen und zur gewünschten Nudelform umgestalten. 

Stattdessen kann man auch einfach (schwarze) Spaghetti aus der Tüte nehmen, damit wird das Gericht nämlich meistens gemacht.


2) Aufgetauten Tintenfisch in Streifen / Stücke schneiden.

3) Muscheln mit eiskaltem Wasser waschen und im Sieb brutal schütteln. Solche, die dann noch offen sind, mit einem Messer anstoßen. Wenn sich einige Exemplare trotz dieser groben Behandlung nicht schließen, muss man sie aussortieren und nicht mehr verwenden. Wir benutzen nur geschlossene Muscheln!

4) Tomaten in mundgerechte Stücke schneiden. Häuten kann man machen, macht man aber nicht. Kerne raus schon, sonst wird es zu wässerig, wenn wir das Sugo nicht länger köcheln lassen. 

5) Zwiebel, Staudensellerie und Knoblauch in Würfel schneiden.

6) Tintenfischstücke mit Haushaltspapier sorgfältig abtrocknen, mit ganz wenig Öl in einer unbeschichteten Pfanne ca. 3 Minuten so richtig schön scharf anbraten, dass sie ordentlich anbräunen. Also eher ankleben lassen und nicht rumrühren. Dann mehr Olivenöl dazu und die Zwiebeln. Nachdem diese glasig sind, Knoblauch beigeben, Hitze runter und kurz durchschwenken. Dann Tomate und Lorbeer dazu, diese noch mal kurz hoher Hitze aussetzen und mit Wein ablöschen. 1 Beutel Tintenfischtinte zugeben, salzen und pfeffern. Aufkochen und dann Hitze sofort reduzieren.

7) In einem anderen großen Topf geschnittene Zwiebeln, Knoblauch, Sellerie mit Olivenöl anbraten, mit Weißwein ablöschen und Muscheln hinzuzugeben, Deckel drauf und solange erhitzen bis alle Muscheln geöffnet sind. Das dauert knapp zwei Minuten, den Topf vom Herd nehmen und mit geschlossenem Deckel wild schütteln. Solche Muscheln, die nun nicht offen sind, aussortieren und nicht servieren.

8) Flüssigkeit aus dem Muscheltopf durch ein Sieb zum Tintenfisch-Sugo geben, eine Zeitlang ohne Deckel auf kleiner Flamme einköcheln lassen. Noch ein Paar Cocktailtomaten vierteln. Die Tinte macht das Ganze nicht nur schwarz, sondern dickt die Soße auch rasch ein. Dann die Muscheln und das Gemüse aus dem Sieb dazu, alles schwenken. Zur Deko vielleicht etwas Grün und Muscheln übrig lassen und zuletzt mit den Cocktailtomaten über die Speise geben - sonst ist alles sehr schwarz...
Ein Löffelchen Crème fraîche gibt bei Bedarf eine gewisse Säure und Bindung. Nicht mehr kochen!

9) Mit den gekochten Spaghetti oder selbstgemachten Nudeln vermengen, mit geviertelten Cocktailtomaten und Petersilie bestreuen und servieren.


13.07.2019

Shakshouka

שקשוקה

Als Tim Mälzer den 2-Sternekoch Hans Neuner in seiner Sendung "Kitchen Impossible" zum Duell aufforderte, setzte er ihm eine scheinbar simple Aufgabe vor - Shakshouka. 

Mälzer hin, Neuner her - In der Sendung erklärt Bino Gabso, vulgo "Dr. Shakshouka", eine großräumige, kulinierende Institution in Tel Aviv, seine Zubereitungsart. Die ist hier unkommentiert und unautorisiert nachzusehen... Neuner betont vermutlich zurecht, dass die Reihenfolge der Zugabe der Zutaten wichtig ist - und dass die Substanz an der (unbeschichteten) Eisenpfanne etwas anbrennen und damit schmackhaft-krustig werden müsse (s. auf dem nachstehenden Foto links). 




                                      

Zutaten

  • frische Tomaten, nichts aus der Dose
  • grüner Spitzpaprika (scharf)
  • Knoblauch, reichlich
  • offenbar keine Zwiebeln!
  • Olivenöl bis zum Abwinken
  • Eier, ganz   
  • Salz, Pul Biber ("Scharf")

Zubereitung



16.03.2019

Sauce Hollandaise - einfach...

Sauce Hollandaise ist eine mittelmäßig aufwändige Geschichte. Sie gehört in Deutschland klassisch zum Spargel und in den USA als Frühstück Egg Benedict über ein weich gekochtes Ei. Ei über Ei quasi!

Sie ist eine der fünf von Auguste Escoffier (1846-1935) entwickelten "Muttersaucen", die noch ein Jahrhundert später von jedem Koch beherrscht werden und Grundlage zahlloser Variationen und Transformationen sind: Bechamel, Velouté, Tomatensoße und die auf dunklem Kalbfleischfond basierende "Sauce Espagnol". 

Wir vereinfachen das Rezept der Hollandaise ein wenig, weil wir auf das Klären der Butter verzichten und stattdessen Butterschmalz aus dem Supermarkt verwenden. Chemisch gibt es keinen Unterschied zwischen beiden Produkten: sie sind von Wasser und Milcheiweiß und -zucker befreite, ungesalzene Butter. 

Butterschmalz ist - anders als Butter - hoch erhitzbar und wird als "Ghee" in der indischen Küche überschwänglich als vegetarisches Fett benutzt - dann allerdings oft aromatisiert. Auch in der ayurvedischen Medizin sind Butterschmalzbäder beliebt. 

Wenn also vom Schmalztopf noch etwas übrig bleibt, kann man die Reste auch anderweitig nutzen (s. Anhang)...

...aber sooo einfach nicht! Und fettarm - schon gar nicht...

                                                                         

Zutaten (für 2 Personen)

  • 3 Eidotter (engl. yolks), zimmerwarm
  • 100 g Butterschmalz
  • Zitrone
  • 6 weiße Pfefferkörner, zerstoßen
  • 1 kleine ganze Zwiebel oder Schalotte, geschält
  • 2 cl guten Weißweinwessig
  • 8 cl Weißwein
  • 1/8 Lorbeerbatt

Zubereitung

0) Die Zubereitung einer größeren Menge ist einfacher, da sie sich nicht so schnell erhitzt und die Probleme in Punkt 4) vermutlich besser hintangestellt werden können.

1) In einem kleinen Topf einen Fond aus Weißwein, Essig, Pfefferkörner, Lorbeer und geschälter, gewürfelter Zwiebel langsam erhitzen und köchelnd auf die Hälfte reduzieren lassen.

Sollte die Hollandaise zu einem Gemüse gereicht werden - z. B. Spargel oder Möhrchen - so kann man das Gemüse auch vorab schälen und die Abschnitte und Schalen dem Fond zufügen und diese mit reduzieren.

Dauert ca. 5 Minuten... Das Ergebnis, die sog. Reduktion, durch ein Sieb seihen und zur weiteren Verwendung beiseite stellen.

2) Butterschmalz vorsichtig erhitzen (geht auch in der Mikrowelle...), damit er dünnflüssig, durchsichtig und warm wird.

3) In einem anderen Topf Wasser aufkochen. Eine runde Stahlschüssel (z. B. IKEAs "Banda Blanc") auf den Topf, über den Dampf, geben. Sie darf keinen Kontakt zum kochenden Wasser haben, sonst wird's Rührei! Warme Reduktion hineingeben, dann Dotter dazu und sofort kräftig mit einem Schneebesen rühren. Ziel ist, dass sich Reduktion und Eigelb vermengen und viel Luftbläschen eingearbeitet werden.


Das sind schon (nach ca. 3 Minuten) schöne Bläschen. Da geht noch was!

4) Dabei darauf achten, dass das Ganze nicht zu heiß (konkret: heißer als 65 Grad) wird, die Schüssel immer mal vom Topf herunternehmen, auf ein Küchentuch (schön auch: einen weiteren Topf mit Küchentuch) stellen und dann weiter schlagen. Dann wieder über dem Topf mit Dampf (nennt man übrigens "Wasserbad") erhitzen, dabei immer schlagen, immer schlagen!!
Sollte die Substanz im Laufe des Prozesses irgendwann mal bröselig werden (wie Rührei), sofort erkaltete Reduktion oder eiskaltes Wasser zugeben und brutal weiterrühren! Insgesamt sollte der Rührvorgang 8-10 Minuten dauern. Die Sauce sollte dick und cremig werden.

5) Die Schüssel vom Topf auf ein Küchentuch geben, den flüssigen Butterschmalz zuerst tropfenweise unterrühren, dann in Abständen als dünner Strahl, immer flott mit dem Schneebesen!

6) Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

7) Ganz zum Schluss Zitronensaft untermengen, evtl. noch mal sehr vorsichtig unter stetem Rühren über dem Wasserbad erwärmen.


Variationen

  • durch Zugabe von Estragon - einerseits beginnend zum Fond für die Reduktion, dann abschließend (gemeinsam mit etwas Kerbel) wie oben zusätzlich zum Zitronensaft - wird aus der Hollandaise eine Sauce Béarnaise.

Anhang

Frau Kardashian frühstückt täglich Butterbrot ohne Brot! Respekt!!



07.02.2019

Eiraschu

Eiraschu war immer Eiraschu. 

Bis irgendwer aus dieser besserwisserischen Generation der 69er-Revolte alles auf den Kopf stellte und herausfand, dass dieses Eintopfgericht eigentlich "Irish Stew" heißen müsste. Und gar nicht aus Ofenerdiek kommt, sondern aus Irland...

Oldenburg war bis 1949 Teil der britischen Besatzungszone, und man kann mutmaßen, dass die Speise in dieser Zeit - leicht verballhornt - den Weg in die Ofenerdieker Küche fand. So fand ja auch der Kriegsgefangene und spätere Vater Karlheinz Eich dorthin. 

Für diese These spricht auch, dass Nannis Original eher der sämigeren nordirischen (protestantischen) Version ähnelte als der eher suppenartigen katholischen Variante - mit oder ohne Möhrchen.

In der Version von Tante Wilma (ohne Kohl, sondern nur mit Möhrchen, die gab es nämlich im eigenen Garten), die wir einmal zusammen gekocht haben, hatte sie allerdings nicht - wie in Irland - Lammfleisch benutzt, sondern sie schichtete aus gemischtem (Schwein- und Rind-)Gehackten gedrehte kleine Fleischklöpse in den Eintopf. 

Im Folgenden handelt es sich um Nannis Originalrezept, wobei ich - soviel Ehre den Erfinder*innen des Gerichts - Lammfleisch benutze, aber doch daraus Klöpse mache und nicht - wie der echte Ire - einfach Fleischwürfel aus der Schulter zugebe. 

Ob das Ganze auch vegetarisch geht - z. B. indem man das Fleisch durch (irischen?) Schafskäse ersetzt - sei weiteren Experimenten vorbehalten. Das alte Ofenerdiek war halt nicht sehr vegetarisch...


Suchbild 1955: Wo ist das Dörr-Haus Neusiedender Weg?
                                                                         

Zutaten

  • 1,5 kg mehlige Kartoffeln
  • 1 Lammschulter
  • 1 Ei
  • 1 Wirsingkohl (1 kg)
  • 1 kg Möhrchen
  • 1 große Zwiebeln
  • 0,8 l dunklen Lammfond (oder Gemüsefond, oder einfach nur Wasser)
  • 10 Blätter Minze
  • 3 Zehen Knoblauch
  • 1 altes Brötchen

Zubereitung

0) Nachfolgend wird die Herstellung von "Lammfond" beschrieben. Dazu das Fleisch von der Lammschulter ablösen. Den verbleibenden Knochen und Fleisch-Abschnitte (also Silberhaut, Sehnen und sonstiges Gekröse, das wir nicht mitessen wollen) mit Sonnenblumenöl bei großer Hitze im Backofen ca 1 Stunde braun werden lassen. Dabei aber immer wieder kontrollieren, ob die Küche schon brennt.
Das Produkt vom Backrost  im (Dampfdruck-)Topf mit Wasser aufkochen lassen, Schaum abschöpfen, zerschnittene Möhrchen, Sellerie, Porree und was man sonst noch so an Resten findet, dazu!
Wenn man einen Dampfdrucktopf hat (damals hatte man einen!) alles nach Vorgabe des Herstellers eine halbe Stunde kochen. Hat man - wie Ihr! -  keinen, dann eben auf den langweiligen Normalo-Topf den Deckel drauf. Hitze so runter wie möglich und so lang man mag, und alles zu einem schmackhaften Fond einköcheln lassen. Findet man beim Aufräumen noch Schalen, Knochen oder sonst was - beherzt Deckel auf und noch dazugeben!

1) Aus Lammgehacktem, zerkleinertem Knoblauch, Ei, gehackter Minze, Salz und Pfeffer sowie zermörsertem Brötchen ca 5 cm große Lammklöpse formen


2) Zwiebeln grob hacken, (Möhrchen schälen, in Scheiben schneiden) und zusammen in einer großen Pfanne in etwas Olivenöl anbräunen, den grob gehackten Kohl dazugeben, auch anbräunen lassen, etwas salzen. Mit etwas Wasser oder Rotwein ablöschen
Wirsing großzügig hacken

3) Kartoffeln schälen und in ca. 5 mm große Scheiben schneiden

4) Es böte sich ja an, das Ganze in einer Jenaer Form zu garen. Nanni hat aber einen hohen Topf dafür genommen. Diesen mit der Zwiebel-Kohl-Schicht auslegen, dann Klöpse darauf geben, dann eine Schicht Kartoffeln, salzen, dann wieder Kohl, eine Schicht Klöpse und zum Schluss Kartoffeln. Wieder salzen und pfeffern



5) Fond aufkochen und darüber gießen. Es sollte die gesamte Masse weitgehend überdeckt sein

6) Deckel drauf und im Ofen bei 230 Grad eine Stunde schmoren.

7) Wenn sicher ist, dass die Klopse hart sind, alles verrühren und noch mal 1/2 Stunde mit Deckel garen.
Eiraschu - hier mit Wirsingkohl. Bei Nanni: mit Möhrchen und ohne Kohl

Omas Schmorkartoffeln


Oma Lisbeth hatte als schnelle Köstlichkeit, wenn in der Familie am Abend jemand Hunger hatte, immer Schmorkartoffeln in der Hinterhand - in einer großartig puristischen Ofenerdieker Version, die ohne Speck und Zwiebeln (oder gar Majoran) auskam und von Geduld beim "Schmoren" und einer gehörigen Dosis Pfeffer lebt. Es gibt kaum ein Gericht, an dem man den Geschmack von unterschiedlichen Pfeffern besser spürbar machen kann.

Im Gegensatz zu Bratkartoffeln, die aus vom Mittagessen übrig gebliebenen gekochten "Salzkartoffeln" in "guter Butter" mit Speck und Zwiebeln scharf angebraten wurden, machte sie Schmorkartoffeln aus rohen Kartoffeln. Omas Lieblingssorte waren, wenn ich mich recht erinnere,  die holländische Sorte Bintje - in Außerfriesland ersetzbar durch vorwiegend festkochende Varianten. 


Die Ofenerdieker Mädels 2007
                                                                          

Zutaten

  • Vorwiegend festkochende Kartoffeln
  • Sonnenblumenöl (auch lecker, aber sicher nicht von Oma: Butterschmalz)
  • guter Pfeffer (hier durchaus experimentieren: Oma hat schwarzen genommen, ich finde hier auch den von mir sehr geliebten, andernorts oft geschmähten, weißen Pfeffer sehr lecker)
  • Eier für Spiegelei
Vincent van Gogh: Kartoffeln  (1888) -
aber sicher keine Bintje, die wurden erst 1905 entwickelt

Zubereitung

1) Kartoffeln schälen und mit einem Gemüsehobel in ca. 2 mm dünne Scheiben hobeln.



2) Unabdingbar ist nun eine beschichtete Pfanne mit Deckel! Da hinein das Öl, das wir warm werden lassen.

3) Dann schichten wir die Kartoffelscheiben wie Fischschuppen hinein, dabei salzen und pfeffern wir jede Schicht. Wenn alle Kartoffeln drin sind - Deckel drauf und bei geringer(!) Hitze "schmoren" lassen. Alles findet auf der Herdplatte statt - nichts im Backrohr!



4) Wenn es beginnt gut zu riechen und die Unterseite vermutlich schon angebräunt ist, mit einer möglichst großen Spachtel alles sorgsam umdrehen, obendrauf nachpfeffern und von der anderen Seite noch mal 10 Minuten schmoren lassen. Wieder mit Deckel drauf. Das Produkt sollte von oben und unten knusprig und leicht braun sein, innen drin nur etwas matschig, eher bissfest-weich.

5) Zum Schluss noch mal ohne Deckel auf einer Seite kross werden lassen.
Die einzelnen "Scheiben" müssen optisch und im Biss unterscheidbar sein. Dann ist gut!

6) Dazu gab's immer Spiegelei - auch aus einer  beschichteten Pfanne...

Schmorkartoffeln zum Tatort



21.12.2018

Rode Grütt

Rode Grütt (hochdt.: Rote Grütze), der nordische Nachtisch schlechthin, gehört mit Sago! Das macht die Zubereitung nicht einfacher, aber mit irgendwas muss man die Fruchtsuppe ja steif kriegen - und z. B. Gelatine hat in der Roten Grütze nichts zu suchen! Und so ist das Original (erst mal) auch durch und durch sogar vegan - bis man am Ende natürlich Vanille-Sahne drauf geben muss - und tschüss...

Sago ist ein perlenförmiges Stärkeprodukt aus der gleichnamigen Palme, das erstmals Marco Polo im 13. Jahrhundert nach Europa gebracht haben soll. 

Als es dann in den 50-er-Jahren des 20. Jahrhunderts in Norddeutschland angekommen war,  bestand "Sago" allerdings vorwiegend aus Kartoffelstärke. Und nu? Finden wir beim Asiaten oder im Reformhaus meist "Tapioka-Perlen", die aus der Wurzelknolle der Maniok-Pflanze hergestellt werden. 

Wie auch immer - wenn der Friese "Sago" sagt, geht es ihm um die "perlige" Konsistenz der Grütze - die muss!: "Wat mutt, dat mutt!

Den Serviervorschlag von Jean-Bapstiste Mondino zeigen wir nur unter schweren moralischen Bedenken - als ein historisches Dokument der 90-er-Jahre, unter dessen bleibendem Eindruck das nachstehende Rezept von mir experimentell entwickelt worden ist.


Serviervorschlag: Jean-Baptiste Mondino. 

 Zutaten

  • 2 Pakete Beerenmischung á 1 kg, davon 1/3 einlegen in Cassis
  • 3/8 l Rotwein, z. B. St. Laurent
  • 3/4 l Wasser
  • Saft einer Orange
  • eine ganze unbehandelte Orange, in Scheiben geschnitten
  • 150 g Zucker
  • 1 Stange Zimt
  • 200g Sago oder 60 g Speisestärke


Zubereitung

1) Ein Drittel der Früchte als Einlage beiseite stellen (in Cassis einlegen), die übrigen mit Wein und Wasser, Zucker, Orangensaft, Zimt und in Scheiben geschnittener Orange unter Rühren zum Kochen bringen. Zugedeckt mindestens 15 Minuten bei schwacher Hitze garen.

2) Die gekochten Früchte mit Hilfe einer Schöpfkelle durch ein Sieb streichen, den Sud erneut aufkochen. Mit Zitronensaft (ca 1 Zitrone) abschmecken.

3) Sago eingeben und vorsichtig aufkochen und sehr reduziert köcheln lassen. Dabei stets rühren, damit der Sago nicht am Topfboden anbrennt! Und das ist wirklich ernst! Das Ankleben an den Topfboden geht schneller als man denkt.

4) Bei Benutzung von Speisestärke: 60 g Stärke mit etwas Rotwein anrühren, in die Fruchtsoße rühren und ausquellen lassen.

Sago-Konsistenzen: - li.: perlig-roh; re. vor Zugabe der Früchte: im Saft angeliert, aber mittig noch ein kleiner "harter Kern"

5) Wenn die Grütze dicklich geworden ist (bei Sago: die Körner aufgequollen sind, aber noch einen kleinen weißen Kern haben), die eingelegten Früchte zugeben, nochmals ohne Kochen aufquellen lassen.

6) In eine kalte Schale geben und abkühlen lassen. Dabei, solange die Grütze noch warm ist, alle 10 Minuten mal umrühren, damit sich die Stärke-Perlen verteilen.

7) Braucht mindestens 10 Stunden im Kühlschrank zum Hartwerden.

8) Perfekt ist die Grütze, wenn man  die vom Saft aufgesogenen Sago-Perlen nicht von Him- oder Brombeerpartikeln unterscheiden kann.

9) Sahne mit Zucker und Vanille halbsteif schlagen und dazu servieren.









22.07.2018

Pimientos de Padrón

Padrón ist ein galizischer Ort am Fluss Ulla, der in den Atlantik führt. Dort wachsen die legendären Pimientos - Paprika, die unreif-grün geerntet werden und dem klassischen Tapas-Gericht ihren Namen gaben. Man kann statt ihrer auch andere kleine grüne Paprika nehmen, sie sollten möglichst dickwandig sein.

Die Zubereitung ist banal: die Pimientos werden in Olivenöl scharf angebraten und dann mit grobem Meersalz bestreut. Fertig!


Zutaten

  • Grüne, kleine Paprika
  • Olivenöl
  • grobes Meersalz

Zubereitung

1) Unbeschichtete Pfanne heiß werden lassen, dann reichlich Olivenöl hineingeben und die gewaschenen und getrockneten Paprilka hineingeben. Hitze etwas reduzieren, das Öl sollte nicht zu heiß werden oder gar zu rauchen beginnen!
Mit einem etwas kleineren Deckel oder einem Teller beschweren, damit die Paprika gut Kontakt zur heißen Pfanne bekommen.
Vorsicht, dass kann spritzen!



2) Nach ca 2 Minuten ist die Haut gut gebräunt, wirft Blasen, löst sich vom Fleisch. Paprikas umdrehen - Vorsicht! Es spritzt!! -, Hitze reduzieren und noch mal 3 Minuten von der anderen Seite grillen, ggf. dazwischen wenden.



3) Aus dem Öl nehmen, nicht abtropfen lassen, sondern mit einem Fädchen frischen Olivenöls begießen und mit etwas (!) grobem Salz bestreut servieren.




Auberginen-Ga:tsch

Auberginen sind inzwischen derart "verbraucherfreundlich" gezüchtet, dass sie kaum noch - die für die Leber so gesunden - Bitterstoffe enthalten. Die in Kochbüchern propagierte Prozedur, sie vor dem Braten stundenlang in Salz zu wälzen, um sie dann mit Wasser wieder auszuwaschen und somit wieder sinnlos durchzufeuchten, ist daher - wenn sie es nicht schon immer war - gänzlich obsolet. 

Wir legen mehr Wert auf den Röstprozess in einer unbeschichteten Pfanne, bei dem sie nicht zu viel Öl aufsaugen sollte, aber doch Fett benötigt, um schön braun zu werden. Wir "verdünnen" hier Olivenöl mit Sonnenblumenöl, weil Olivenöl, wenn es länger erhitzt wird, zu rauchen beginnt und ungenießbar wird. Unsere Mischung verträgt dann eine größere Hitze.





 Zutaten

  • 2 Auberginen
  • Oliven- und Sonnenblumenöl
  • 1 Dose (Cocktail-)Tomaten
  • 1 Zwiebel
  • 4 Knoblauchzehen
  • 2 TL Zimt
  • eine Handvoll Koriander-Blätter, auch Stiele
  • nach Belieben Petersilie
  • Saft einer Zitrone
  • 100 g griechischer Joghurt
  • 2 El getrocknete Minze
  • 25 g geröstete Pinienkerne

Zubereitung

1) Auberginen in ca 1.5 cm große Stücke schneiden

2) Unbeschichtete Pfanne erhitzen, Sonnenblumen- und Olivenöl hineingeben, die Würfel jeweils einer Aubergine hineingeben und gut anbräunen. Dasselbe mit der zweiten Aubergine.

3) In eine Schüssel geben und salzen


Perfekt geröstete Auberginenwürfel

4) In der Pfanne Olivenöl erhitzen, gewürfelte Zwiebel dazugeben und glasig werden lassen. Dann 2 TL Zimt dazu und 3 gehackte Knoblauchzehen. Noch mal umrühren und anrösten.




5) Dose Tomaten dazugeben, diese noch mal mit etwas Wasser (halbe Dose) ausspülen, das auch zugießen. Alles umrühren und in der offenen Pfanne bei kleiner Hitze so lange köcheln, bis es fast trocken ist. Dabei immer mal umrühren, dass Masse nicht anbrennt. Dauert ca 30 Minuten.

6) Koriander waschen, ausschütteln und grob schneiden. Durchaus auch ein bisschen von den Stielen des Krautes sehr fein schneiden und benutzen. In die Auberginen-Tomaten-Masse geben, alles gut durchrühren und abkühlen lassen. Ebenso oder zusätzlich kann man Petersilie verwenden.

7) Zitronensaft mit 2 EL Olivenöl, einer gehackten Knoblauchzehe und Minze mit dem Joghurt vermischen.

8) Vor dem Servieren Pinienkerne in einer Pfanne ohne Fett kurz anrösten und über den Ga:tsch geben, dazu Joghurt reichen.



08.12.2017

Pommes Dauphinoise

Gratin Dauphinois wurde erstmals am 12. Juli 1788 serviert - als Beilage für die legendären Ortolane (Fettammern) - bei einem gräflichen Abendessen in der Stadt Gap in der Region Dauphine im Südosten Frankreichs.

Die Zubereitung von Ortolanen ist inzwischen verboten, aber die in unbotmäßig viel Sahne getränkten, rohen Kartoffelscheiben bleiben bis auf Weiteres erlaubt. Die verbreitete Zufügung von Käse oder gar Ei gehört übrigens verboten.





 Zutaten

  • 1 kg Kartoffeln, festkochend oder vorwiegend festkochend
  • 400 ml Schlag-Sahne (man muss 2 Becher zu 250 ml kaufen!)
  • 1/8 l Brühe (wenn ohne Brühe, dann beide Becher Sahne!)
  • fein gewürfelt (oder zerpresst)
  • Salz, schwarzer Pfeffer, Muskatnuss

Zubereitung




1) Kartoffeln schälen und mit einer Mandoline in ca 2 mm dicke Scheiben schneiden

2) Gratinform - am besten eine Form aus Jenaer Glas - mit reichlich Butter einreiben

3) Sahne (evtl. mit Brühe, geht aber auch ohne, dann eben mehr Sahne) in einem kleinen Topf erhitzen, salzen und mit Muskatnuss würzen. Nicht kochen!

4) Knoblauch fein schneiden oder (ausnahmsweise mal) mit der Knoblauchpresse zerquetschen und zur Sahne / zum Sahne-Brühe-Gemisch geben

5) Kartoffelscheiben in die Form schichten. Schuppenweise sieht schön aus, muss aber nicht sein. Zwischen den Schichten immer salzen und pfeffern.



6) Warme Flüssigkeit darüber geben. Die Kartoffeln sollten bedeckt sein.

7) Bei 160 Grad im Ofen ca 50 Minuten garen lassen. Wenn die obere Schicht noch nicht angebräunt ist, Hitze noch mal für 5 Minuten erhöhen.

8) Aus dem Ofen herausholen und  10 Minuten absacken lassen.



07.12.2017

Rotkohl selber machen

Zugegeben - das Päckchen von Iglo aufzuwärmen ist weniger aufwändig. 

Gerade das Zubereiten einer eigenen Kohlmischung ist aber mit dem Hacken, Schaben und Reiben, Kneten und Schnüffeln haptisch ungemein sinnlich und gibt zudem die Möglichkeit, viele - an winterlichen Glühwein erinnernde - Aromen zu inhalieren und zu kombinieren. 

Rotkohl lässt sich bestens vorbereiten, die Reste kann man einfrieren - und deutlich billiger als das Iglo-Produkt ist es allemal. Unser Rezept geht auf den legendären Reinhard Gerer zurück.





 Zutaten

  • 1 Kopf Rotkohl
  • 2 Orangen
  • Rotwein (ersatzweise irgendein Fruchtsaft)
  • 2 Äpfel (am besten Boskop, jedenfalls eher säuerlich)
  • 1 Stange Zimt, im Mörser fleißig zerstoßen
  • 1 Lorbeerblatt
  • 1 TL Piment und / oder Wacholder im Mörser einmal kräftig angestoßen
  • 10 Nelken
  • Stärke
  • 1 große Zwiebel
  • Stärke (ich bevorzuge Pfeilwurzelstärke, dann 1/2 TL. Mais- oder Kartoffelstärke tut's aber genauso - dann 1 TL)
  • evtl. 2 EL Zucker

Zubereitung


1) Rotkohl mit einem großen Kochmesser zerteilen und mit einer Mandoline - oder einfacher: immer noch weiter mit dem Messer - raspeln. In einer großen Schüssel die Kohlraspeln mit den Händen gut kneten. Vorsicht! Die Hände werden lila und bleiben längerfristig lila. Zarte Gemüter machen das daher auch mit Einweg-Gummihandschuhen.

2) Aromate und Gewürze in zwei Teebeutel stecken. Man kann sie auch einfach lose dazu tun, dann muss man sie aber am Ende einzeln wieder herausklamüsern. Vor allem den Zimt sollte man dann ganz lassen und nicht zerstoßen. Auch auf ganze Nelken beißt man ungern, die kann man natürlich mahlen.
Das Aroma der Nelken wird am intensivsten, wenn man sie vorher eine Minute lang in einer unbeschichteten Pfanne ohne Fett anröstet. Man kann's aber auch übertreiben...

3) Unbehandelte Orangenhaut wird benötigt - entweder abraspeln oder mit einem Zestenreißer traktieren oder einfach dünne Hautpartikel (ohne die weiße Unterhaut) abschneiden und dazugeben.


4) Danach die Orange auspressen und den Saft dazu geben. Ebenso den Rotwein

5) Einen ganzen Apfel mit der Haut raspeln und zum Kohlgemisch geben. Immer mal wieder durchkneten (Handschuh?)!



6) Salzen und 1 EL Zucker dazu, nochmal durchmischen

7) Das Ganze kann man jetzt mit einem Teller beschweren und kühl stellen. Ein Paar Stunden oder Tage lang. Dabei immer mal wieder umrühren und dafür sorgen, dass die Gewürzbeutel überall mal hinkommen.

8) Am Tag des Genusses eine große Zwiebel nudelig schneiden.

9) Eine großzügige Portion Fett (klassisch Gänseschmalz, vegetarisch wohl eher Sonnenblumenöl, jedenfalls kein Olivenöl!) in einem Topf anheitzen.
An diesem Punkt scheiden sich nun die Geister: Wer es gern etwas süßer mag, gibt in das Fett mit einen EL Zucker hinzu, den man etwas karamellisieren lässt - also flüssig werden lassen und dann noch etwas warten, bis es karamellbonbonbraun wird! Dann die Zwiebeln dazu.

Wer süß nicht so mag, belässt es bei den Zwiebeln im Fett. Dann die Kohlmischung vorsichtig mit der ganzen Flüssigkeit (gerade wenn karamellisiert worden ist, Vorsicht mit der Flüssigkeit! - sonst fliegt es einem um die Ohren - und es ist wirklich heiß!) zugeben. Den Gewürzbeutel sollte man vorher noch überprüfen, weil er oft durchgeweicht ist. Dann sollte man ihn austauschen oder - einfacher - mit einem weiteren überziehen und auch in den Kochtopf geben.

10) 1/4 l Wasser dazu, 1 TL Salz hinein, gut umrühren und je nach Vorliebe (mit geschlossenem Deckel) bei leichter Hitze knackig oder gatschig köcheln lassen. Immer wieder mal  wieder Deckel öffnen, rühren und schnüffeln!

11) Ich tue auch gern Cumberlandsauce dazu, ruhig 2 EL.

11) Wenn der Kohl passt - 1 TL Stärke mit 1/16 l Wasser oder Rotwein verrühren und in den Kohl geben, umrühren, aufkochen lassen, dann Hitze runtergeben und das Ganze noch etwas köcheln lassen - diese Prozedur bindet die verbliebenen Flüssigkeiten und sorgt für eine etwas hellere Farbe.

12) Man kann sich dann - je nach Geschmack - mit zusätzlichen Beigaben abarbeiten: Edelkastanien aus der Tüte (etwas Biss und nussige Süße) oder Preiselbeeren (Bitter-Note) oder Sanddornmarmelde (Sauer-herb-Note) aus dem Weckglas und abschmecken, wie es gerade gefällt. Auch nachsalzen ist hier vermutlich noch angebracht.

Schupfnudeln

Schupfnudeln sind die ideale Beilage für gute Soßen. Sie sind nicht so prall wie Kartoffelklöße und formschöner als Gnocchi. In der Pfalz werden sie - politisch etwas inkorrekt - aufgrund ihrer Form auch "Bubenspätzle" genannt... 

Vegetarisch serviert man sie klassisch in Salbeibutter angebraten, mit Sauerkraut.



 Zutaten

  • 75 g Butter
  • 1 Ei Güteklasse A
  • 750 g Kartoffeln, mehlig oder vorwiegend festkochend, z.B. Agria (ungeschält)
  • 150 g Mehl, glatt
  • 75 g Weizengrieß
  • Salz, Pfeffer, Muskatnuss
  • zum Anbraten: Butter, u. U. mit Salbei

Zubereitung

1) Kartoffeln in gesalzenem Wasser ungeschält kochen. Dann schälen und etwas abkühlen lassen.

2) Butter in einem Schüsselchen aufwärmen, damit sie flüssig wird (geht auch gut in der Mikrowelle)

3) Kartoffeln - noch warm! -  durch die Kartoffelpresse drücken. 

4) Kartoffelgepresstes auf einem Holzbrett ausbreiten zum Auskühlen.

5) Zurück in eine Schüssel geben und portionsweise Mehl zugeben und leicht umrühren, damit sich das Mehl verteilt, wiederholen, und dann mit dem Grieß, der flüssigen Butter und dem Ei ebenso verfahren. Salzen, pfeffern und Muskatnuss darüber reiben und einarbeiten. Man kann den Teig etwas rasten lassen, muss aber nicht sein.

4) Auf einer bemehlten Fläche den Teig zu Rollen formen und dann in ca 2 cm lange Stücke schneiden und zu - an beiden Enden spitzen - Nudeln formen.



5) Wenn das  gesalzene Wasser siedet...


Abb. 1. Wasser siedet, wenn Luftbläschen beginnen, an die
Oberfläche zu steigen - im Unterschied zum "Wallen", 
wo sich bereits leichtes Blubbern zeigt.

6) ... portionsweise mit einem Schöpflöffel die Nudeln in den Topf geben.

7) Nach ca. 3 Minuten steigen die Nudeln an die Wasseroberfläche, dann noch schwimmend ca. 2 Minütchen im wallenden Wasser garen lassen. Dann mit dem Schöpflöffel über dem Topf etwas abtropfen und rausholen.


8) Nebeneinander auf einen Teller legen.

9) Am besten schmecken sie, wenn man sie in guter (Salbei-)Butter scharf anbrät.



Mit gequetschtem Mohn, nochmal Butter und Puderzucker werden aus demselben Teig Mohnspätzle draus.


16.09.2017

Käse-Press-Klöße

Wie der Serviettenknödel ist die Almhütten-Spezialität Kaspressknödel ein Resteverwertungsessen, das sich nur so nennen darf, wenn es aus stark riechenden Magerkäsen wie dem Tiroler "Graukas" hergestellt wird. Er wird dann auch eher als Suppeneinlage verwendet. 

Alternativ nehmen wir wohlschmeckenderen Käse und davon deutlich mehr als in den meisten Rezepten, die ein Semmelwürfel-Käse-Verhältnis von 1:1 empfehlen - so schmeckt das Produkt etwas wie gut gegrillte Käsekrainer und ist vermutlich ebenso gesund.

Der viele Käse macht etwas Mühe beim Formen der Klöße und erfordert Vorsicht beim Umdrehen in der Pfanne - aber dafür schmeckt das Ergebnis gut nach Käse! 

Das Rezept (mit Sauce) geht auf Vincent Klink, den sympathisch-bodenständigen Intellektuellen unter der "Sterneköchen", zurück.

 

Zutaten

  • 150 ml Milch
  • 100 g Semmelwürfel (das sind ca. 1/12 alte Brötchen, in Würfel geschnitten)
  • 2 Zwiebeln (eine für den Kloß, eine für die Sauce)
  • 1/2 Bund (15 g) glatter Petersilie
  • 150g verschiedene Käse (Reste), z. B. der Bergkäse vom Lidl, Emmentaler gerieben
  • 2 EL Butter
  • 1 ganzes Ei, 1 Eigelb
  • Salz, Pfeffer
  • Muskatnuss
  • Mehl
  • 1/8 l Gemüsebrühe
  • 125 g Sauerrahm

Zubereitung

1) Für die Klöße Milch aufköcheln. Semmelwürfel mit der heißen Milch übergießen, mit einem Löffel gut umrühren, damit alle Würfelchen etwas feucht werden. Dann Schüssel abdecken und Würfel 10-15 Minuten aufweichen lassen.

2) In der Zwischenzeit 1 Zwiebel würfeln, es sollten 40 g Zwiebelwürfel herauskommen. Petersilie waschen und trocken schütteln. Blätter abzupfen und fein schneiden (ergibt 6 g). Käse würfeln (Kantenlänge ca 0.7 cm). Man kann auch geraspelten Käse nehmen...

3) Zwiebelwürfel in einer Pfanne mit 1 EL Butter bei leichter Hitze (Deckel drauf, wenn vorhanden) ca. 1 Minute glasig anschwitzen. Petersilie dazu geben, umrühren, vom Feuer nehmen und gemeinsam kalt werden lassen. Ggf noch ein bisschen Butter dazugeben und umrühren.

4) Zuerst die Petersilien-Würfel-Masse zu den Semmelbröseln geben, umrühren. Dann die Eier einrühren.



Zuletzt die Käsewürfel. Alles gut vermengen und mit Pfeffer und Muskat würzen. Mit Salz vorsichtig sein, da der Käse schon recht würzig ist! Zur Bindung einen gestrichenen Teelöffel Mehl dazu. Masse nun ca. 1/2 Stunde rasten lassen.

5) Für die Sauce 1 kleine Zwiebel schälen, würfeln (sollte ca 40 g ergeben) und in 1 EL Butter anschwitzen. Mit 1 EL Mehl bestäuben, mit Gemüsebrühe und Sauerrahm aufgießen. Alles mit dem Schneebesen glatt rühren und ca. 5 Minuten unter Rühren köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen.

6) Die Klöße formen. Das ist nicht ganz einfach, weil wir ja tatsächlich viele harte Käsewürfel im Teig haben. Der Teig ist etwas matschig im Griff und inkonsistent.



7) Die immer noch etwas feuchten Klöße mit dem Flachspatel vorsichtig in eine beschichtete Pfanne mit reichlich (!) Sonnenblumenöl geben und zunächst bei schwacher Hitze 4 Minuten von einer Seite ausbacken. Während des Bratens Pfanne ab und zu hin- und herschwenken, damit die Klöße nicht ankleben. 
Mit zwei Flachspateln vorsichtig wenden und auf der anderen Seite noch mal ca. 4 Minuten gar braten. Sie sollten goldbraun sein. Gar-Test: Mit dem Finger auf den Kloß drücken. Sie sollten nicht mehr nachgeben.

8) Dann sind sie fest und man kann sie auch mit einer Zange heben. Auf einen Teller geben (nicht auf Küchenpapier - das klebt an....)

9) Wenn die Käse-Press-Klöße warm gegessen werden sollen: Mit Sauce begießen, die mit etwas Muskat bestreuen. Dazu grüner Salat.

10) Fürs Picknick: einfach abkühlen lassen


Als Suppeneinlage...

... schmecken unsere Klöße ebenfalls sehr gut (vielleicht etwas kleiner im Umfang) - mit fein geschnittenen Zwiebelringen, die man in reichlich Sonnenblumenöl ganz ganz langsam anbrät und in dem Moment, wenn sie goldbraun geworden sind, rasch mit einem Schaumlöffel aus dem Öl nimmt und auf  Küchenpapier hart werden lässt.
Jeweils einen Kloß und Zwiebelringe in die Suppenteller geben, Suppe drumherum gießen und mit Schnittlauchröllchen bestreuen.